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MARX

MARX
Interpret: arbeit
Titel: MARX
Artikelnr: 04608
Format: Nur Download
Genre: Rock, Elektro / Ambient
Label: CCn'C RECORDS
VÖ-Jahr: 2007

TRACKLISTE
1) 
DER HEIMLICHE AUFMARSCH () 4:24
2) 
THE PHOENIX AND THE TURTLE () 1:55
3) 
VOM SPRENGEN DES GARTENS () 4:42
4) 
SPARTAKUSLIED () 4:37
5) 
WARUM WIR EINE REVOLUTIONÄRE PARTEI BRAUCHEN () 3:27
6) 
AUF AUF ZUM KAMPF () 3:10
7) 
ALS ICH DICH GEBAR () 2:49
8) 
AN DEN KLEINEN RADIOAPPARAT () 4:44
9) 
DIE INTERNATIONALE () 4:07
10) 
AUFERSTANDEN AUS RUINEN () 4:23
11) 
DER KLEINE TROMPETER () 1:14
12) 
UNSTERBLICHE OPFER () 4:30
13) 
TROTZ ALLEDEM () 1:53
14) 
HÄLFTE DES LEBENS () 5:17
15) 
DIE SCHLESISCHEN WEBER () 0:46
Total time 52:03

1.
Der heimliche Aufmarsch (4:24)
Musik: Hanns Eisler
Text: Erich Weinert/Ernst Busch
Verlag: Deutscher Verlag für Musik Leipzig

Vocals: Augst

2.
The Phoenix and the Turtle (1:55)
Musik: Thomas Dézsy
Text: William Shakespeare
Verlag: GEMA/copyright control

Editing: Augst
Vocals: Augst
Piano: Dézsy


3.
Vom Sprengen des Gartens (4:43)
Musik: Hanns Eisler
Text: Bertolt Brecht
Verlag: Deutscher Verlag für Musik Leipzig

Arrangement, sound: Korn
Spoken words: by Frantz Fanon (The Wrechtched Of The Earth, 1961)
Vocals and spoken words: Maxeiner

4.
Spartakuslied (4:37)
Musik: Oliver Augst/Marcel Daemgen/Thomas Dézsy/Christoph Korn
Text: DP
Verlag: GEMA/copyright control

Arrangement/sound edit: Augst
Vocals: Augst
Korg MS10-synthesizer/electronics: Daemgen
Effects-pad/synthesizer: Dézsy
Melodica/guitar/2nd vocals: Korn

5.
Warum wir eine revolutionäre Partei brauchen
(3:28)
Musik: Oliver Augst/Marcel Daemgen/Christoph Korn
Text: Tony Cliff
Verlag: GEMA/copyright control

Arrangement/sound edit: Augst
Spoken words: Augst
Korg MS10-synthesizer/electronics: Daemgen
Guitar/harp: Korn

6.
Auf auf zum Kampf (3:10)
Musik: Oliver Augst/Marcel Daemgen/Thomas Dézsy/Christoph Korn
Text: August Bebel
Verlag: GEMA/copyright control

Arrangement/sound edit: Augst
Vocals: Augst
Korg MS10-synthesizer/electronics/samples: Daemgen
Effects-Pad/Synthesizer: Dézsy
Guitar/2nd vocals: Korn

7.
Als ich dich gebar (2:49)
Musik: Hanns Eisler
Text: Bertolt Brecht
Verlag: Deutscher Verlag für Musik Leipzig

Arrangement/sound edit: Augst/Daemgen
Vocals: Augst
Synthesizer/electronics/samples: Daemgen
Guitar: Korn

8.
An den kleinen Radioapparat (4:44)
Musik: Hanns Eisler
Text: Bertolt Brecht
Verlag: Deutscher Verlag für Musik Leipzig

Arrangement, sound: Christoph Korn
Spoken words by Frantz Fanon (The Wrechtched Of The Earth, 1961)
Vocals and spoken words: Maxeiner

9.
Die Internationale (4:07)
Musik: Chrétien Degeyter
Text: Eugène Pottier; Emil Luckhardt

Arrangement, sound: Daemgen
String arrangement: Daemgen/Dézsy
Vocals: Augst
2nd vocals: Daemgen/Maxeiner/Simon Hoehl

10.
Auferstanden aus Ruinen (4:23)
Musik: Hanns Eisler
Text: Johannes R. Becher
Verlag: Deutscher Verlag für Musik Leipzig

Arrangement/sound edit: Augst
Vocals/keyboard: Augst
Korg MS10-synthesizer/electronics: Daemgen
Electronics/guitar/harp: Korn

11.
Der kleine Trompeter (1:15)
Music: OliverAugst, Christoph Korn
Text: DP
Verlag: GEMA/copyright control

Arrangement/sound edit: Augst
Melody and Text: soldiers song of unknown origin
Vocals: Augst, Guitar: Korn

12.
Unsterbliche Opfer (4:31)
Musik: N.N. Ikonnikow; Marcel Daemgen
Text: Hermann Scherchen (1918)
Verlag: GEMA/copyright control

Arrangement, sound: Daemgen
Melody: funeral hymn after N. N. Ikonnikow
Vocals: Augst
Korg MS10-Synthesizer/electronics/samples: Daemgen
2nd vocals: Maxeiner

13.
Trotz Alledem (1:53)
Music: Thomas Dézsy
Text: Robert Burns
Verlag: GEMA/copyright control

Arrangement/sound edit: Augst
Vocals: Augst
2nd vocals, piano: Dézsy

14.
Hälfte des Lebens (5:18)
Musik: Christoph Korn
Text: Friedrich Hölderlin
Verlag: GEMA/copyright control

Arrangement, sound: Christoph Korn
Spoken words by Frantz Fanon (The Wrechtched Of The Earth, 1961)
Vocals and spoken words: Maxeiner

15.
Die schlesischen Weber (0:46)
Musik: Thomas Dézsy
Text: Heinrich Heine
Verlag: GEMA/copyright control

Arrangement/sound edit: Augst
Vocals: Augst
Piano: Dézsy

Produced by Augst/Daemgen/Korn
in co-production with DeutschlandRadio 2004
Sound-Mastering: Marcel Daemgen
Sound engineer, Deutschlandfunk: Hans-Martin Renz
Co-producer, Deutschlandfunk: Frank Kämpfer
Live recording sessions took place at the Sendesaal, Deutschlandfunk Cologne, October 2002, all other recordings and sound editing were done in the studios of Augst/Daemgen/Korn
Graphic Design:


MARX remixed


In einer Öffentlichkeit, die aus Zerstreuungsbedarf nach dem Ungebührlichen greift, steigt die Aufmerksamkeit für Anachronismen. Auch im Folgenden scheint das der Fall. Mit einigen Beats und elektronischen Klängen versetzt, sind “Auf, auf zum Kampf“ und das „Spartakuslied“ und die anderen dürftigen Märsche und Melodien von einst offensichtlich nicht ohne Reiz. Manche Titel wirken fast tanzbar, avancieren trotz überkommener Wortwahl zu vermeintlichen Hits und wehren sich so, ohne weiteres entsorgt und vergessen zu sein.

Um kein Missverständnis entstehen zu lassen: Oliver Augst, Marcel Daemgen und Christoph Korn treibt kein Voyeurismus; ihre Arbeit zielt weder auf Persiflage noch auf schrillen Kommerz. Dem Frankfurter Trio geht es vielmehr um musikalische Archäologie. Verschüttetes und Verdrängtes wird zu Tage gefördert, verschlissener Gewänder entkleidet, in einen neuen, heutigen akustischen Kontext gestellt und nach Unabgegoltenheiten befragt.

Dass ausgerechnet das Lied- und Ideengut der deutschen Arbeiterbewegung ins Visier dieser Ausgrabungsarbeit gerät, überrascht nach dem Eisler-Programm und dem Volkslied-Projekt der Frankfurter Gruppe nur wenig. Eineinhalb Jahrzehnte nach dem politischen Einsturz des ’Ostblocks’ kann es nicht illegitim sein, im kulturellen Erbe des gescheiterten sozialistischen Deutschland zu graben. Es erfordert nur Mut, dies – frei von Erwartungsklischees – ohne Häme zu tun. Und offen zu sein bei der Suche nach Spuren all dessen, was im Jahrhundert der Ideologien und Kriege und nach Jahrzehnten pervertierter Staatsrealität übrig blieb von den Freiheitsideen aus proletarischer Zeit.

Augst, Daemgen und Korn und ihre zwei Gäste haben auch für dieses Projekt umfangreich recherchiert, schließlich fünfzehn Titel und Texte für ihre Zwecke gewählt und diese auf die ihnen eigene Art künstlerisch neu zum Leben erweckt. Ihre heutige Interpretation des problematischen Repertoires ereignet sich dabei fernab historischer ’Aufführungspraxis’. Einstiges Zelebrieren begegnet bestenfalls als Zitat, die romantische Emphase fehlt (weitgehend) – an ihre Stelle treten als Geste die Trauer und als Technik Collage und Schnitt.

Manche Textzeilen fallen durch Raster, Sinn komprimiert und verrätselt mitunter, Refrain und Strophe sind zuweilen unterschiedlichen Originalen entrissen und verklammern sich erst im Remix. Das Megaphon, einst beliebtes Instrument sozialistischer Agitation, liefert hier ein Verfremdungsmoment. Losungen sozialistischer Massenkultur klingen verzerrt, bewusst übersteuert, nur mehr fragmentarisch verstehbar – so als wäre ihre Überlieferungsgeschichte hier gleichnishaft einkomponiert. Als wären die historische belegte Verfolgung radikaler sozialer Ideen, das Pervertieren derselben als Staatsideologie und schließlich ihr Scheitern und Verstummen in vorliegender Interpretationsart geradezu dokumentiert. Im Flirren der Störgeräusche, im medialen Rauschen wird das Unkenntlichwerden, ja das Vergessen schlechthin zum Thema und zur eigenständigen künstlerischen Form.

Dass gelebte Vergangenheit im Osten Deutschlands dämonisiert und ausgelöscht wird und nur mehr in nostalgischer Weise medial zurückkehren darf, hat Gründe. "arbeit MARX" – so auch der Auftrag des Co-Partners Deutschlandfunk – ist ein Angebot gegen solcher Art neuer Tabuisierung. Vergleichbar mit Siegmund Freuds Trauerarbeit geschieht kritische Betrachtung und Auseinandersetzung auf vorliegendem Konzept-Album subjektiv, zufällig, ohne Anspruch auf Ordnung und Vollständigkeit. Neben ’Highlights’ des sozialistischen Liedguts aus proletarischer wie aus staatssozialistischer Zeit schwemmen auf der Aufnahme aber auch andere Fundstücke an. Es handelt sich um Verse Shakespeares, Hölderlins, Brechts und Frantz Fanons, um den Trauermarsch und um das solistisch begleitete Kunstlied. Sie allemal künden vom beschädigten wie vom hoffenden Individuum und holen MARX heim unter den Horizont seiner Zeit.

FRANK KÄMPFER, März 2004

"Der heimliche Aufmarsch"

Musikvideo : Sabine Loew

Kamera, Schnitt, Postproduktion : Sabine Loew